Palby Fyn Cup 2022 auf der Exorbitante

Endlich finden die Regatten wieder „normal“ statt! Nachdem wir bereits erfolgreich 2018 am Palby Fyn Cup teilgenommen haben (damals noch mit der X-99 Swash Buckler) wollten wir schon seit zwei Jahren nochmals die Runde um die Insel Fyn drehen, diesmal aber mit Heikos und Maiks X-332 Exorbitante. Da das Rennen 2020 und 2021 aber pandemiebedingt abgesagt wurde, mussten wir bis jetzt warten.

Der Palby Fyn Cup findet auf dem Silverrudder-Kurs statt – einmal rund um die Insel Fyn, mit Start und Ziel in Bogense an der Nordküste. Gemeldet haben in diesem Jahr insgesamt 287 Yachten. Die X-332 bekommen mit Løb 14 ihre eigene Klasse, es sind 11 Boote zusammengekommen, davon zwei X-332 Sport (Meldeliste). Da die X-332 aber keine echte Einheitsklasse ist, findet trotzdem eine Verrechnung nach Dansk Handicap statt. Wir haben uns entschieden, alles zu fahren, was wir haben, also große Genua und einen nagelneuen, supergroßen Spinnaker. Auf dem Papier sind wir deshalb nach unserem DH-Rennwert die schnellste X-332, abgesehen von den beiden Sport-Versionen. Das wird spannend – die Tante ist noch nie gegen andere X-332 angetreten, wir wissen also so gut wie gar nicht, wo wir stehen und wie wir mithalten können.

Unser Start ist auf Freitag, 12:00 angesetzt, dazu haben die Wettergötter ganz leichten Wind und Sonne serviert. Wir haben das alte Rostocker „Kernteam“ versammelt: Heiko, Maik, Stefan, Ingo und Micha. Das linke Ende der Startlinie ist deutlich bevorteilt, trotzdem sammeln sich fast alle anderen Boote rechts oder in der Mitte. Ingo an der Pinne kneift einmal die Augen zusammen – und fährt dann einen unfassbaren Nullstart auf Steuerbordbug, vor allen Anderen. Diese Frechheit wird auch noch auf Video festgehalten und schafft es sogar in einen Segelreporter-Artikel 🙂

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Bis zum Eingang des Kleinen Belts bei Strib bleibt es eine lange Kreuz, vermint mit diversen Drehern und Flautenlöchern. Davon erwischen wir leider auch einige, und erreichen Strib gegen 16:45 Uhr nur als sechste X-332. Im Belt zwischen Fredericia und Fænø, gibt es leider auch keinen Wind, dafür aber jede Menge Strom, zum Glück von hinten. Ein verrückter Anblick, wie die Boote teils quer mit einigen Knoten Speed unter den beiden Brücken hindurchtreiben.

Im Kleinen Belt

Bei Fænø spielen wir auf Risiko, und fahren fast als einziges Boot rechts um die kleine Insel Fænø Kalv. Es zahlt sich aus – danach liegen wir schon auf Platz 3. Vor uns liegen nur noch Excellence und X-Celerator, leider aber mit deutlichem Abstand von 1,7 und 6,2 Meilen.

Der Trick mit der Insel…

Den Belt hinunter bis Bagø geht es immer noch mit leichtem Wind, teils auf der Kreuz, teils mit Spi.

 

 

 

 

 

 

Erst gegen 23:00 Uhr, ungefähr auf halber Strecke zwischen Bagø und Helnæs, setzt dann der angesagte Westwind ein, allerdings kombiniert mit ordentlich Dauerregen. Wir fliegen mit Spi und teilweise 9 Knoten Speed in Richtung Lyø, wo wir gegen 01:00 morgens ankommen – jetzt schon auf Platz 2, nur noch 1,2 Meilen hinter X-Celerator. Zwischen den Inseln wird es haarig – wir rasen bei bis zu 20 Knoten Wind aus West unter Spi und Dauerregen in der dunklen Nacht durch die Inseln, mit einer Menge anderer Schiffe vor, hinter und neben uns. Eine große X, die plötzlich aus dem Dunkel an unserer Steuerbord-Seite auftaucht, sieht uns offenbar erst, nachdem sie uns schon gefährlich nahekommt und wir mit der Taschenlampe in ihre Segel leuchten. Der Steuermann erschrickt sich so sehr, dass er das Schiff in eine unkontrollierte Halse von uns weg kurbelt, was zu entsprechendem Chaos an Deck führt….

Obwohl riskant, entscheiden wir, den Spi bis zum und durch den Svendborgsund oben zu lassen. Und auch das macht sich bezahlt – als wir gegen 04:00 Uhr morgens Svendborg passieren, liegt X-Celerator nur noch 0,1 Meile vor uns.

04:00 Uhr morgens im Svendborgsund

Ab hier hört jetzt zum Glück auch der Regen auf, und es geht von Thurø Rev bis zur Großen Belt-Brücke auf einen langen Halbwind-Spikurs. Als wir 07:40 Uhr die Brücke passieren, hat sich X-Celerator wieder auf einen Vorsprung von 0,4 Meilen vorgearbeitet, aber wir liegen immer noch auf Platz 2. Der Wind legt jetzt immer mehr zu, wir ziehen nach und nach zwei Reffs ins Groß. In den Böen weht es jetzt mit bis zu 28 Knoten , aber das Boot bleibt unter Kontrolle, und zumindest steht in der Abdeckung von Fyns Ostküste noch keine große Welle.

Kurz hinter der Beltbrücke kommen wir endlich an X-Celerator vorbei, und erreichen die Nordost-Ecke der Insel bei Fyns Hoved gegen 11:00 Uhr als erste X-332.

In Führung im Großen Belt

Ab hier folgt eine lange Kreuz gegen den knackigen Westwind, bis zur Untiefentonne nördlich von Æbelø, die letzte Bahnmarke vor dem Ziel.

Mit X-Celerator auf der Kreuz

Auf dieser Kreuz schleicht sich X-Celerator leider wieder an uns vorbei, und pariert dann konsequent jede unserer Wenden mit einer eigenen. Aber nur wenige hundert Meter vor der Untiefentonne gibt X-Celerator plötzlich seine Deckung auf und wendet unerwartet weg von uns zur Steuerbord-Anliegelinie. Damit haben wir zwar nicht gerechnet, aber fahren jetzt natürlich bis zum Anschlag an die Backbord-Anliegelinie. Und als wir an der Tonne wieder aufeinander treffen, sind wir tatsächlich wieder vorn auf Platz 1, wenn auch nur mit etwa 100 Metern Vorsprung.

Spannend bis zum Schluss…

Bis ins Ziel sind es jetzt nur noch etwa fünf Meilen auf einem Schrickkurs. X-Celerator kommt nicht mehr heran, und wir passieren die Linie um 15:13 Uhr als erste X-332, mit einem Vorsprung von gerade einmal 48 Sekunden. Unglaublich.

Fast im Ziel

Nach diesen 28 ¼ Stunden Flaute, Sonne, Regen und Sturm sind wir erschöpft, aber unglaublich happy über diesen ersten Platz nach gesegelter Zeit. Dass es nach berechneter Zeit nicht ganz gereicht hat, sondern wir auf dem zweiten Platz hinter X-Celerator landen, tut der Freude keinen Abbruch J

Glückwunsch an die X-Celerator, und einen Riesen-Dank an die Tante und ihr Team!

Hier ist die Ergebnisliste, hier eine kleine Fotoserie und hier geht es zum Replay des Race-Trackers. Ein kleines Filmchen folgt in Kürze.

 

 

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